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Das Konzept

Erarbeitet wird ein Kommentar zu den im Codex regius (2365 4to) enthaltenen Götter- und Heldenliedern sowie zu einigen Liedern eddischen Stils, die bereits in Neckels Edda-Ausgabe (Heidelberg 1914, 21926, 31936) und in Neckel-Kuhns Edda-Ausgabe (41962, 51983) aufgenommen wurden. Der letzte Gesamtkommentar zur (Lieder-)Edda ist vor nahezu 70 Jahren erschienen (H. Gering: Kommentar zu den Liedern der Edda. 1.-2. Hälfte. Hg. B. Sijmons. Halle 1927-1931). Das achtbändige Werk umfaßt folgende Bände: Bd. 1 Götterlieder; Bd. 2 Götterlieder; Bd. 3 Götterlieder; Bd. 4 Heldenlieder; Bd. 5 Heldenlieder; Bd. 6 Heldenlieder, Bd. 7 Heldenlieder, dazu ein schmaler Begleitband mit Allgemeiner Einleitung, Allgemeiner Bibliographie, Abkürzungsverzeichnis, Sach- und Namensregister. Die Kommentare zu den einzelnen Liedern werden jeweils 60-100 Seiten umfassen und in zwei Teile gegliedert sein: 1) einen Einleitungskommentar von ca. 15-20 Seiten, der allgemeine Problemkomplexe (Überlieferungszustand, Strophen- und Versform, Wortschatz usw. des jeweiligen Liedes) nach einem einheitlichen Schema zusammenfassend behandelt, 2) einen Stellenkommentar.

Grundlage des Kommentars ist der Text in seiner überlieferten Form. Die Möglichkeit, daß es im Verlauf der mündlichen und schriftlichen Überlieferung eines Liedes zu Umdichtungen - Motivwechseln, Neuformulierungen, Änderungen der gesamten Konzeption - gekommen sein kann, muß die Kohärenz und Schlüssigkeit der in den Handschriften vorliegenden Textfassungen nicht ausschließen. Die nächstliegende Aufgabe des Kommentars ist es daher, die Stimmigkeit dieser überlieferten Fassungen herauszuarbeiten, sie als Ausdruck eines bestimmten kulturellen, sozialen und literarischen Milieus zu begreifen und nicht als bloßes Abfallprodukt ihrer nicht überlieferten Vorgeschichte. Dabei kann in der Würdigung der ästhetischen und konzeptionellen Seite eines Liedes manches zum Thema werden, was früher für nicht kommentierungsbedürftig gehalten wurde.

Gerade die Eddalieder lassen erkennen, daß sie nicht irgendwelche zufällig aufs Pergament geratene Versionen von oral performances sind, sondern sehr bewußt ausformulierte, vornehmlich in Rede und Dialog sich entfaltende und auf eine sinngebende 'Idee' hin komponierte Schöpfungen. Dies bedeutet, daß der Kommentar die Liedinhalte nicht als "Relikte" oder "Reflexe" einer in sich geschlossenen frühnordischen, möglicherweise sogar gesamtgermanischen Kultur betrachtet, deren vorgebliche Kenntnis dazu berechtigen könnte, die "Urgestalt" eines Gedichts im Sinne der traditionellen Konjekturalkritik zu rekonstruieren. So steht der Kommentar den mittlerweile in veränderter Form wiederauflebenden Spekulationen, die Texte auf irgendwelche archaische Urzustände zu beziehen - diesmal unter dem Feldzeichen des Strukturalismus, speziell in der Spielart Dumézilscher Theorien -, skeptisch gegenüber. Auch in der Behandlung der eddischen Vers- und Strophenformen soll es nicht darum gehen, einen normierten Idealzustand vorauszusetzen, sondern darum, freiere Formen gelten zu lassen und den ganzen Facettenreichtum der eddischen Verskunst zu erfassen.

Die einzelnen Liedkommentare bestehen jeweils aus einem Einleitungs- und einem Stellenkommentar. Der Einleitungkommentar soll allgemeine Probleme behandeln und in zusammenfassender Form auch Detailprobleme, die im Stellenkommentar genauer ausgeführt, hier aber für die Gesamtinterpretation nutzbar gemacht werden. Untergliedert ist der Einleitungskommentar in zehn §§ nach einem für alle Lieder gleichbleibenden Schema: §1 Bibliographie, §2 Überlieferungszustand, §3 Forschungsgeschichte, §4 Stoffgeschichte und literarisches Nachleben, §5 Gedankliche Konzeption, §6 Komposition, §7 Strophen- und Versform, §8 Wortschatz und stilistische Eigentümlichkeiten, §9 Literaturgeschichtliche Standortbestimmung, §10 Datierung.
Einleitungs- und Stellenkommentar entlasten sich wechselseitig, indem der erste auf die detaillierten Ausführungen im zweiten verweist, der zweite wiederum, wenn es um die Relevanz der Einzelstelle innerhalb größerer Zusammenhänge geht, auf die Paragraphen des ersten.
Die Benutzbarkeit des Kommentars wird dadurch erleichtert, daß vor der Besprechung der einzelnen Liedstrophen in den Stellenkommentaren der gesamte Text der entsprechenden Strophe zitiert und mit einer deutschen Übersetzung versehen wird, die so weit wie möglich dem altnordischen Wortlaut folgt. Zur schnellen Orientierung sind Originalwortlaut und Übersetzung der einzelnen Strophen in einen Rahmen gesetzt, der sie aus dem übrigen Text heraushebt und zugleich auf augenfällige Weise den Anfang eines neuen Strophenkommentars markiert.
Übergreifende Themen und Motivkomplexe, die mehr als ein Lied betreffen (wie etwa Waberlohe, Walhall, Midgardschlange oder der Gebrauch der Kenningar in der Edda) werden an geeigneten Stellen des Stellenkommentars in Form von Exkursen - äußerlich erkennbar am Petitdruck - behandelt. Diese Exkurse gehen gelegentlich durchaus über das zur Kommentierung des Liedes Notwendige hinaus, weisen auf weitere Zusammenhänge hin und nennen Parallelen in anderen Literaturen. Sie richten sich nicht nur an Spezialisten, sondern auch an Fachfremde, die in einem Edda-Kommentar Aufklärung zu solchen Problemkomplexen erwarten dürfen.

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geändert am 30. März 2009  E-Mail: Webmasterk.schulz@em.uni-frankfurt.de

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Druckversion: 30. März 2009, 19:28
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